Blog: Letzte Ruhe in Wien 20.12.2015

„Diesen Job kann nicht jeder machen“

Der Bestattungsunternehmer Georg Haas über skurrile Beerdigungswünsche, Umgang mit dem Tod und Gedanken über die eigene Sterblichkeit

Presseartikel Kronen Zeitung Blog Letzte Ruhe in Wien

Berger: Was macht ein Bestattungsunternehmer genau?

Haas: Wir wickeln alle Leistungen die mit einem Todesfall zusammenhängen, ab. Wenn es beispielsweise eine Erdbestattung ist, die Überführung zum Friedhof, wenn eine Einäscherung stattfinden soll, dann die Überführung ins Krematorium. Und eben die dazugehörigen Feiern. Wir stellen die Sargträger, die den Sarg bei einer Erdbestattung zum Grab tragen und dort auch dem Friedhof übergeben.

Dann gibt es natürlich auch viele Randleistungen, die mit einem Todesfall verbunden sind, wie zum Beispiel die Erstellung von Parten oder Gedenkbildern und Organisation von Musik. Auch Blumen und Spenden im Namen der Verstorbenen sind nach wie vor ein ganz großes Thema.

Berger: Welche Bestattungsarten außer den traditionellen, wie Erdbestattung und Feuerbestattung, gibt es?

Haas: Was noch oft vorkommt ist eine Überführung, das heißt, jemand stirbt in Wien, möchte aber zum Beispiel in Salzburg am Friedhof beerdigt werden. Das ist eine Leistung, die sehr oft in Anspruch genommen wird. Mittlerweile ist das Ganze sehr international. Das bedeutet wir haben auch Kunden in Übersee, in den USA oder Brasilien. Die Angehörigen wollen dann beispielsweise, dass die Beisetzung im Familiengrab auf den Philippinen erfolgt. Ansonsten muss man sagen ist der Wiener sehr traditionell.

Eine Sache die sehr im Kommen ist, ist die Bestattung der Urne zu Hause. Das ist in Wahrheit keine Bestattung im eigentlichen Sinn, aber man macht eine Verabschiedung. Und die Urne wird dann zu Hause aufbewahrt. Dafür braucht man allerdings eine Genehmigung. Und in einer Mietwohnung muss außerdem der Eigentümer zustimmen. Da steckt ein kleiner bürokratischer Aufwand dahinter, aber wir helfen den Kunden sehr gerne und das funktioniert im Regelfall auch.

Dann muss die Urne noch an einem pietätvollen Platz aufbewahrt werden.

Berger: Also nicht neben der Kaffeemaschine?

Haas: Genau, oder auch nicht in irgendeiner Rumpelkammer. Das ist dann nicht ok.

Berger: Ist es schon einmal vorgekommen, dass die Bestattungswünsche so skurril waren, dass Sie ablehnen mussten?

Haas: Ja. Wir hatten einmal einen Fall, bei dem jemand eine Bestattung nach einer bestimmten Methode wollte, bei der der Schädel und andere Knochen im Anschluss zu Hause aufbewahrt werden. Wir haben uns zwar sogar recht intensiv damit auseinandergesetzt ob das möglich ist, haben dann aber ziemlich rasch herausgefunden, dass es gesetzlich nicht erlaubt ist.

Wegschicken müssen wir Leute ansonsten selten. Es gibt allerdings schon skurrile Wünsche manchmal. Es gab eine Dame die zu Lebzeiten sehr gerne Schnitzel gegessen hatte und ihre Angehörigen haben vor der Beerdigung noch ein letztes Schnitzel zubereitet und in den Sarg hineingelegt. Das war jetzt nicht so skurril, dass wir gesagt hätten, das kann man nicht machen. Natürlich erfüllen wir gerne Wünsche.

Berger: Muss man besonders abgehärtet oder sensibel sein um in Ihrem Berufsfeld zu arbeiten?

Haas: Beides. Man muss einerseits natürlich eine gewisse Stresstoleranz haben weil die Kunden meistens, verständlicherweise, nicht gut drauf sind. So ein persönlicher Schicksalsschlag ist eine irrsinnige Stresssituation.

Es ist auch nicht lustig, wenn Menschen vor einem sitzen, die völlig fertig sind und weinen und wirklich eine schlimme Zeit erleben. Da muss man schon abgehärtet sein. Das ist ein Job, den kann nicht jeder machen. Definitiv nicht.

Berger: Wie gehen Sie denn damit um, dass Sie so oft mit dem Tod in Berührung kommen? Ist der Tod für Sie inzwischen etwas Geschäftliches, oder nimmt er Sie noch mit?

Haas: Was natürlich schon schlimm ist, sind tragische Unfälle oder plötzliche Todesfälle, bei denen junge Menschen aus dem Leben gerissen werden. Wie Autounfälle oder Selbstmorde, bei denen die Familie aus heiterem Himmel, völlig unvorbereitet, getroffen wird. Oder auch Fälle, bei denen Kinder sterben. Das ist schon sehr belastend. Auch für die Mitarbeiter, die Tag täglich die Verstorbenen abholen ist das sehr, sehr bitter. Wir sprechen in solchen Fällen natürlich auch intern im Rahmen einer Supervision über das, um zu sehen, wie man das verarbeiten kann. Da ist ja auch jeder anders. Nach außen hin ist es nie ein Problem, aber es arbeitet trotzdem in einem. Man geht nicht einfach heim und sagt ‘es ist mir egal’, das kann ich zumindest von mir überhaupt nicht behaupten. Es nagt dann schon an einem.

Berger: Wie gehen Sie denn mit der eigenen Sterblichkeit um?

Haas: Bei mir ist es so, dass man darüber nachdenkt, dass es gar nicht so schlecht ist, dass man nicht ewig lebt. Das ist etwas, das die meisten Menschen, zumindest in unserem Kulturkreis, irgendwie verdrängen. ‘Trifft eh nur die anderen’ und ‘Wird schon nix passieren’, aber im Endeffekt muss man sich trotzdem damit auseinandersetzen, dass man eben nicht ewig lebt, und dass man die Zeit die man hat irgendwie sinnvoll nutzen sollte und nicht verschwendet. Und das ist glaube ich auch ganz positiv.

Berger: Was ist denn wichtig im Umgang mit den Angehörigen?

Haas: Ganz wichtig ist Verständnis. Man entlastet den Angehörigen. Man kann ihnen das Gefühl geben, dass sie sich nicht stressen müssen, wir erledigen alles von A bis Z. Das ist im Endeffekt unser Job.

Berger: Gibt es auch schöne Moment bei dem Beruf? Momente, bei denen man sieht, dass das Leben gefeiert wird und nicht nur traurig Abschied genommen wird?

Haas: Ja schon. Viele Menschen strahlen (Anm. nach einer gelungenen Verabschiedung), obwohl sie natürlich traurig sind. Die sagen dann ‘Das war jetzt schon schön’.

Berger: Also man kriegt auch was zurück?

Haas: Man kriegt total viel zurück. Es ist unfassbar wie viele Rückmeldungen wir per E-Mail oder Telefon kriegen, in denen sich die Leute bedanken. Das macht den Job auch für uns extrem interessant und wirklich wertvoll, wenn man diese Rückmeldungen bekommt. Man hat dann das Gefühl, wirklich etwas Positives geleistet zu haben.

Zur Person: Georg Haas ist einer der Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Himmelblau und ist für die betriebswirtschaftlichen Aspekte des Unternehmens zuständig.

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